Allgemeine Informationen zum Erziehungs- und Bildungssystem in Deutschland

Dieser Beitrag basiert auf folgenden Quellen:

Bundeszentrale für politische Bildung (bpb) (2013): Das Bildungssystem in Deutschland. Bildungseinrichtungen, Übergänge und Abschlüsse.

Kultusministerkonferenz (KMK) (2017): Dossier „Das Bildungswesen in der Bundesrepublik Deutschland 2013/2014. Darstellung der Kompetenzen, Strukturen und bildungspolitischen Entwicklungen für den Informationsaustausch in Europa. Bonn.

Kultusministerkonferenz (KMK) (2015): Übergang von der Grundschule in Schulen des Sekundarbereichs I und Förderung, Beobachtung und Orientierung in den Jahrgangsstufen 5 und 6 (sog. Orientierungsstufe).

Aufbau des Bildungswesens und seine Struktur

In Deutschland liegt die Zuständigkeit für das Bildungswesen bei den einzelnen Bundeländern. Deshalb können Teile des Schulsystems je nach Bundesland sehr unterschiedlich gestaltet und benannt sein. Dennoch gibt es "über alle Bundesländer hinweg eine gemeinsame Grundstruktur des Bildungssystems" (bpb 2013).

Das Bildungssystem gliedert sich in fünf große Bildungsbereiche: den Elementarbereich, den Primarbereich, den Sekundarbereich I, den Sekundarbereich II und den Tertiärbereich.

Elementarbereich

Der Elementarbereich ist die erste Stufe des deutschen Bildungssystems. Er umfasst alle Einrichtungen der frühkindlichen Betreuung, Bildung und Förderung von Kindern bis zum Schuleintritt (vgl. KMK 2017, S. 99). Dazu gehören: Kinderkrippen, Kindertagesstätten, Kindertagespflege sowie Vorklassen an Grundschulen.

Der Besuch dieser Einrichtungen ist in Deutschland in der Regel freiwillig. Da frühkindliche Bildung in diesem Bereich immer mehr an Bedeutung gewinnt, steigt die Nachfrage nach vorschulischen Betreuungsplätzen stetig. Seit 2013 hat jedes Kind mit Vollendung des ersten Lebensjahres einen Rechtsanspruch auf einen Betreuungsplatz (vgl. bpb 2013).

Primarbereich

Wenn die Schulpflicht beginnt, treten Kinder in den Primarbereich ein. Die Grundschule "umfasst die Klassenstufen 1 bis 4 (in einigen Bundesländern die Klassenstufen 1 bis 6) und ist die einzige Bildungseinrichtung, die von fast allen Schülerinnen und Schülern gemeinsam besucht wird" (bpb 2013).

Schulpflicht: Kinder und Jugendliche müssen in den meisten Bundesländern vom 6. Lebensjahr an in der Regel mindestens zwölf Jahre zur Schule gehen. Dabei wird zwischen Vollzeit- bzw. allgemeiner Schulpflicht (neun bis zehn Jahre, Grund- und weiterführende Schule) und Teilzeit- bzw. Berufsschulpflicht (drei Jahre, an die Vollzeitschulpflicht anschließende Pflicht zum Besuch einer Berufsschule oder einer als gleichwertig anerkannten anderen Bildungseinrichtung). Die Verantwortung für die Erfüllung dieser Pflicht liegt sowohl bei den Schüler_innen selbst als auch bei ihren Eltern (bei Berufsschulpflicht auch bei der Ausbildungsbetrieb) (vgl. KMK 2017, S. 27).

Am Ende der Primarstufe erhalten Schüler_innen eine Empfehlung für die weiterführende Schulart in der Sekundarstufe, auch Schullaufbahn- oder Lehrerempfehlung genannt. Diese wird aufgrund von Schulnoten, Lern- und Arbeitsverhalten ausgesprochen. In einigen Bundesländern ist diese verpflichtend, in den meisten jedoch nicht binden (vgl. bpb 2013). Eltern haben einen Anspruch auf Beratung und Informationen über die Entscheidungskriterien sowie in einigen Bundesländern auch die Möglichkeit, selbst darüber zu entscheiden, auf welche Schule das Kind gehen soll (vgl. KMK 2015, S. 8ff).

Sekundarbereich I

Die Sekundarstufe I umfasst die Schulstufen der allgemeinbildenden oder mittleren Bildung. Sie reicht von der Klasse 5 bzw. 7 nach dem Besuch der Grundschule bis hin zur Klasse 9 bzw. 10 an weiterführenden Schulen. Zu diesem Bereich gehören verschiedene Bildungsgänge und Schularten (vgl. KMK 2017, S. 117).   

Die Hauptschule, die Realschule und das Gymnasium sind Schularten mit einem Bildungsgang, an denen der gesamte Unterricht auf einen bestimmten Abschluss bezogen ist. Schularten mit mehreren Bildungsgängen "vereinen zwei oder drei Bildungsgänge unter einem Dach" (KMK 2017, S. 120). An integrierten Gesamtschulen werden die drei Schulformen kombiniert, sodass kein bestimmter Bildungsgang gewählt werden muss (vgl. bpb 2013).

Am Ende der Sekundarstufe I kann in allen Schulformen bzw. Bildungsgängen ein allgemeinbildender Schulabschluss erworben werden.

  • Der Hauptschulabschluss "qualifiziert vor allem zur Aufnahme einer dualen Berufsausbildung" (bpb 2013). Wer keinen Ausbildungsplatz findet, kann im Übergangssystem die Zeit bis zur nächsten Bewerbungsphase überbrücken und dabei zusätzliche Qualifikationen erwerben.
  • Der Mittlere Schulabschluss (auch Mittlere Reife genannt) "ermöglicht neben der dualen auch die Aufnahme einer vollzeitschulischen Berufsausbildung und eröffnet den Zugang zu den verschiedenen beruflichen Oberschultypen und zur gymnasialen Oberstufe" (ebd.).
  • Die übrigen Bildungsgänge "führen zur allgemeinen oder fachgebundenen Hochschulreife bzw. zur Fachhochschulreife" (ebd.), d.h. zum (Fach-)Abitur.

Sekundarbereich II

Die Sekundarstufe II umfasst alle schulischen Bildungswege, die entweder zum Hochschulbesuch oder zur beruflichen Ausbildung befähigen. Darunter fallen die gymnasiale Oberstufe, die berufsbildende Schule und das duale Ausbildungssystem. Die Berechtigung für den Besuch der jeweiligen Bildungseinrichtungen hängt in erster Linie von dem in der Sekundarstufe I erlangten Schulabschluss ab (vgl. KMK 2017, S. 118).

In der gymnasialen Oberstufe kann die Allgemeine Hochschulreife erworben werden, "die zum jedem Studium an einer Hochschule berechtigt, aber auch den Weg in eine vergleichbare berufliche Ausbildung ermöglicht" (ebd.).

Die Bildungsgänge der berufsbildenden Schulen "führen zu berufsqualifizierenden Abschlüssen, die eine berufliche Tätigkeit als qualifizierte Fachkraft ermöglichen" (ebd.). Zu den Schulformen im Bereich der berufsbildenden Schulen gehören:

  • die Berufsschule (schulischer Teil der dualen Ausbildung),
  • die Berufsfachschule (berufliche Grundbildung oder vollschulische Berufsausbildung),
  • die Fachoberschule (auf bestimmte Fachgebiete ausgerichtete Schule, die zur Fachhochschulreife führt),
  • das Berufliche Gymnasium (studienqualifizierender Bildungsgang mit einem berufsbezogenen Profilfach),
  • die Berufsoberschule (vollzeitschulische Ausbildung, die zur Fachgebundenen oder Allgemeinen Hochschulreife führt).

Die Berufsausbildung im dualen System erfolgt an zwei verschiedenen Ausbildungsorten: in der Berufsschule (theoretisches Fachwissen) und in einem Betrieb (praktische Kenntnisse und Fertigkeiten) (vgl. ebd., S. 141).

Förderschulen

Für Schüler_innen mit sonderpädagogischem Förderbedarf gibt es im Primar- und Sekundarbereich zudem unterschiedliche Typen von Förderschulen (z.B. Förderschulen für Gehörlose, Blinde, Sprachbehinderte, Lernbehinderte).

Im März 2009 ist das Übereinkommen der Vereinten Nationen über die Rechte von Menschen mit Behinderungen in Deutschland in Kraft getreten. In diesem Zusammenhang verpflichtet sich der deutsche Staat dazu, ein inklusives Bildungssystem zu gewährleisten. Dies beinhaltet u.a., die gemeinsame Bildung und Erziehung für Kinder und Jugendliche an allgemeinbildenden und beruflichen Schulen zunehmend zu verwirklichen (vgl. bpb 2013).

Tertiärbereich

Der Tertiärbereich umfasst "einerseits Universitäten, Fachhochschulen und andere Hochschularten, die zu einem akademischen Abschluss führen" und zum anderen "Einrichtungen, die berufsqualifizierende Studiengänge anbieten sowie Einrichtungen der beruflichen (Weiter-)Bildung" (ebd.).