Zusammenarbeit mit Eltern und Elternbeteiligung

International vergleichende Bildungsstudien wie PISA (Programme for International Student Assessment), IGLU (Internationale Grundschul-Lese-Untersuchung) oder TIMSS (Trends in International Mathematics and Science Study) haben gezeigt, dass sich das elterliche und familiäre Umfeld, der sozioökonomische Status und die soziale Herkunft der Eltern immer noch sehr stark auf den Bildungserfolg von Kindern in Deutschland auswirken (vgl. Ditton et al. 2011, S. 200ff). Deshalb wird deutlich, dass der „Einbindung von Eltern für den Bildungserfolg der Kinder und damit für deren gesellschaftliche Teilhabe eine besondere Bedeutung“ zukommt (Alpbek 2017, S. 173). In den letzten Jahren hat sich in den Bildungseinrichtungen diesbezüglich ein Sinnes- und Erkenntniswandel vollzogen. Eltern gelten heutzutage als „Expert*innen ihrer Kinder“ (ebd., S. 173). Sie kennen ihre Kinder am besten, bieten Unterstützungsmöglichkeiten und müssen Bildungsentscheidungen für diese treffen, womit ihnen ein bedeutender Beitrag im gemeinsamen Erziehungs- und Bildungsauftrag zukommt (vgl. Alpbek 2017, S. 173; SVR 2012, S. 2f).

Eltern wurden lange Zeit eher als passive Adressaten betrachtet, d.h. als Objekt, „das ‚bearbeitet‘ werden muss und dessen aktive Mitwirkung nicht gefordert ist“ (SVR 2012, S. 2). Diese Einstellung spiegelt sich vor allem in dem in der Praxis und Wissenschaft oft vorherrschenden Begriff der Elternarbeit wider. Um die stärkere Beteiligung, Mitwirkung und Zusammenarbeit der Eltern zu betonten, wurde der Begriff Elternarbeit durch die Begriffe Zusammenarbeit mit Eltern oder Erziehungs- und Bildungspartnerschaft abgelöst (vgl. Alpbek 2017, S. 173; SVR 2012, S. 2). Vor diesem Hintergrund ändert sich aber nicht nur die Begrifflichkeit, sondern auch die Beziehung zwischen den Lehrkräften – also den Erzieher*innen sowie Lehrer*innen – und den Eltern (vgl. Alpbek 2017, S. 173).

Dabei kommt es aber auch zu sehr unterschiedlichen Auslegungen, Ausprägungen und Maßnahmen bei der Zusammenarbeit mit Eltern (vgl. Stange 2012, S. 12; SVR 2012, S. 3). Zugleich besteht in der Fachdiskussion sowie in der Praxis rund um die Elternzusammenarbeit keine Begriffsklarheit und eine Vielfalt von Begrifflichkeiten, „deren Unterschiede und Gemeinsamkeiten nicht ausreichend geklärt sind“ (Betz 2015, S. 17). Diese Begrifflichkeiten reichen von Zusammenarbeit mit Eltern, Erziehungs- und Bildungspartnerschaft oder Elternarbeit bis hin zu Elternpartizipation, Elternmitwirkung und Elternbildung (vgl. Betz 2015, S. 17; Stange 2012, S. 12f).

Mit Erziehungs- und Bildungspartnerschaft und mit Zusammenarbeit mit Eltern werden grundsätzlich die unterschiedlichsten Formen der Kooperation und/oder Kommunikation zwischen Eltern bzw. Familien und den pädagogischen Fachkräften sowie weiteren Erziehungs- und Bildungsakteuren bezeichnet (vgl. Betz 2015, S. 20; Stange 2012, S. 13). Übergreifend wird im Zusammenhang mit Elternzusammenarbeit ein kooperatives, partnerschaftliches Verhältnis zwischen Eltern und Lehrkräften verstanden, welches zu einem „gemeinsamen Aufbau einer lern- und entwicklungsförderlichen Umgebung für Kinder und Jugendliche“ beitragen soll (Stange 2012, S. 14). Entscheidend für das Gelingen der Zusammenarbeit ist demnach, dass Eltern und pädagogische Fachkräfte sich die Verantwortung für die Erziehung und Bildung der Kinder entsprechend ihren Stärken und Kompetenzen teilen, aufeinander zugehen und sich einigen, wenn unterschiedliche Vorstellungen bestehen.

Konkret sollte diese Zusammenarbeit von Bildungseinrichtungen mit Eltern aus den folgenden Punkten bestehen (Stange 2012, S. 14f):

  • „Absprache gemeinsamer Aktivitäten
  •  Austausch von Erfahrungen über den Bildungsstand der Kinder
  •  Erarbeitung gemeinsamer Bildungsziele und Angebote
  •   Unterstützung in familiären Erziehungsfragen (Elternbildung)
  •  Synergetisches Erschließen von Ressourcen
  •  Verbesserung der Beziehungen zwischen Eltern und Einrichtungen
  •  Erweiterung der Mitbestimmungsmöglichkeiten
  •  Öffnung der Bildungseinrichtungen gegenüber anderen Erziehungspartnern
  •  Vernetzung aller für Kinder und Eltern relevanten Einrichtungen“

Die Zusammenarbeit mit Eltern beschränkt sich dabei jedoch nicht nur auf Schulen, sondern auch auf den Elementarbereich – also Kindergärten und Kindestageseinrichtungen (vgl. Fröhlich-Gildhoff 2013).

 

Elternbeteiligung, -partizipation und -mitwirkung

Elternbeteiligung – auch Elternpartizipation oder Elternmitwirkung – kann zwar, ist aber nicht zwingend Teil der Zusammenarbeit mit Eltern. Elternbeteiligung meint vielmehr die aktive Beteiligung der Eltern an „inhaltlichen und schulorganisatorischen Angelegenheiten“ sowie grundlegende Informations- und Beratungsrechte, und äußert sich in der Regel in den verschiedenen Elternvertretungsgremien (Kirk 2012, S.185). Die Beteiligungsmöglichkeiten, die Eltern offenstehen, sind in Deutschland rechtlich-institutionell festgelegt und gesetzlich in den Verfassungen sowie Kita- und Schulgesetzen der Bundesländer geregelt.

Eine aktive Elternbeteiligung kann das Verhältnis von Schule und Eltern verbessern, kann allerdings durchaus auch konfliktgeladen und von gegensätzlichen Interessen geprägt sein (vgl. Stange 2012, S. 13).

 


Dieser Beitrag basiert auf folgenden Quellen:

Alpbek, Mehmet (2017): Schule und Kindertageseinrichtungen, in: Groß, Torsten/Huth, Susanne/Jagusch, Birgit/Klein, Ansgar/Naumann, Siglinde (Hrsg.) (2017): Engagierte Migranten. Teilhabe in der Bürgergesellschaft, Wochenschau Verlag, Schwalbach/Ts, S. 173-178.

Betz, Tanja (2015): Das Ideal der Bildungs- und Erziehungspartnerschaft. Kritische Fragen an eine verstärkte Zusammenarbeit zwischen Kindertageseinrichtungen, Grundschulen und Familien, Bertelsmann Stiftung. [31.07.2019]

Ditton, Hartmut/Maaz, Kai (2011): Sozioökonomischer Status und soziale Ungleichheit, in: Reinders, Heinz/Ditton, Hartmut/Gräsel, Cornelia/Gniewosz, Burkhard (Hrsg.) (2011): Empirische Bildungsforschung. Gegenstandsbereiche, VS Verlag, Wiesbaden, S. 193-208.

Fröhlich-Gildhoff, Klaus (2013): Die Zusammenarbeit von pädagogischen Fachkräften und Eltern im Feld der frühkindlichen Bildung, Betreuung und Erziehung, in: Bildungsforschung 10 (1), S. 11-25.

Kirk, Sabine (2012): Elternmitwirkung im schulrechtlichen Rahmen der Ländergesetzgebung, in: Stange, Waldemar/Krüger, Rolf/Henschel, Angelika/Schmitt, Christoff (Hrsg.) (2012): Erziehungs- und Bildungspartnerschaften, Springer VS, Wiesbaden, S. 182-189.

Sachverständigenrat deutscher Stiftungen für Integration und Migration (SVR) (2012): Baustelle Elternarbeit. Eine Bestandsaufnahme der Zusammenarbeit zwischen Schule und Elternhaus. [31.07.2019]

Stange, Waldemar (2012): Erziehungs- und Bildungspartnerschaften – Grundlagen, Strukturen, Begründungen, in Stange, Waldemar/Krüger, Rolf/Henschel, Angelika/Schmitt, Christoff (Hrsg.) (2012): Erziehungs- und Bildungspartnerschaften, Springer VS, Wiesbaden, S. 12-39.

 

Weiterführende Literatur und Praxisbeispiele:

Der Paritätische Gesamtverband (2010): Gemeinsam stark. Perspektiven der partizipativen Elternarbeit von Migrantenorganisationen. [31.07.2019]

Dusolt, Hans (2018): Elternarbeit als Erziehungspartnerschaft. Ein Leitfaden für den Vor- und Grundschulbereich, Beltz Verlag, Weinheim Basel.

Hessisches Kultusministerium (2017): Ratgeber für Eltern von Eltern. Mit Praxisbeispielen für die Arbeit als Elternvertreterin und Elternvertreter. 3. Auflage. [31.07.2019]

Howe, Sonja (2012): Zusammenarbeit mit Eltern in Einrichtungen des Elementarbereichs, Handreichungen zum Berufseinstieg von Elementar-und KindheitspädagogInnen – Heft B09. [31.07.2019]

Roth, Xenia (2010): Handbuch Bildungs- und Erziehungspartnerschaft – Zusammenarbeit mit Eltern in der Kita, Verlag Herder, Freiburg im Breisgau.

Sachverständigenrat deutscher Stiftungen für Integration und Migration (SVR) (2014): Eltern als Bildungspartner: Wie Beteiligung an Grundschulen gelingen kann. [31.07.2019]

Stange, Waldemar/Krüger, Rolf/Henschel, Angelika/Schmitt, Christoff (2013): Erziehungs- und Bildungspartnerschaften. Praxisbuch zur Elternarbeit, Springer VS, Wiesbaden.

Textor, Martin R./Blank, Brigitte (2004): Elternmitarbeit: Auf dem Wege zur Bildungs- und Erziehungspartnerschaft, Bayerisches Staatsministerium für Arbeit und Sozialordnung, Familie und Frauen. [31.07.2019]

Vorholz, Heidi / Mienert, Malte (2007): Von der Elternarbeit zur Erziehungspartnerschaft. Neue Chancen für die Zusammenarbeit mit Eltern. [31.07.2019]

Weiterbildungsinitiative Frühpädagogische Fachkräfte (WiFF) (2011): Zusammenarbeit mit Eltern. Grundlagen für die kompetenzorientierte Weiterbildung. [31.07.2019]

Wiechers, Lisa/Fürstenau, Sara (2014): Elternbeteiligung in der Schule. [31.07.2019]