Aktuelles aus dem bbt

Mitgliederbefragung 2026

Mitgliederbefragung 2026

08.10.2026

Migrantenorganisationen sind wichtige Akteur*innen der Bildungs- und Familienarbeit. Sie beraten und begleiten Eltern, fördern politische Beteiligung, setzen sich gegen Diskriminierung ein und vertreten die Interessen ihrer Communities. Unsere Mitgliederbefragung 2026 zeigt, wie vielfältig diese Arbeit ist – und wie dringend sie verlässliche finanzielle Grundlagen braucht. An der Befragung haben zehn Mitgliedsorganisationen des Bundeselternnetzwerks teilgenommen. Ihre Antworten geben Einblick in unterschiedliche Tätigkeitsfelder, aktuelle Herausforderungen und Erwartungen an das bbt.

Fachlich breit aufgestellt und nah an den Familien
Die befragten Organisationen arbeiten in vielen Bereichen zugleich. Jeweils neun von zehn sind in der politischen Bildung sowie in Antidiskriminierung und Empowerment aktiv. Acht von zehn beschäftigen sich mit Bildung in der Einwanderungsgesellschaft. Jeweils sieben von zehn arbeiten mit Eltern und Familien und setzen sich mit Mehrsprachigkeit auseinander. Hinter diesen Zahlen stehen konkrete Angebote: Beratungen, Begegnungsräume, Bildungsangebote, Elternarbeit und politische Interessenvertretung. Die Organisationen kennen die Fragen, mit denen Familien zu ihnen kommen. Sie verfügen über fachliche Erfahrung und gewachsene Beziehungen in ihren Communities. Zugleich bringen sie Perspektiven in öffentliche Debatten ein, die dort stärker gehört werden müssen.
Die Befragung macht auch sichtbar, welche Themen Eltern und Familien derzeit beschäftigen. Acht von zehn Organisationen nennen Rassismus und Diskriminierung, sieben von zehn Bildung und Schule. Hinzu kommen Fragen zur Ausbildung und Berufsorientierung sowie Sorgen angesichts von Krisen und Kriegen in Herkunftsländern. Mehrere Mitglieder beschreiben außerdem, wie schwer verständliche Strukturen im Bildungssystem Eltern die Mitwirkung erschweren. Migrantenorganisationen reagieren auf diese Herausforderungen mit eigenen Ideen und Angeboten. Sie stärken Eltern darin, ihre Rechte wahrzunehmen und sich in Bildungseinrichtungen einzubringen. Sie machen auf Barrieren aufmerksam und entwickeln gemeinsam mit Familien Wege zu mehr Teilhabe.

Der Bedarf wächst – die Finanzierung hält nicht Schritt
Die größte Herausforderung der befragten Organisationen ist die Finanzierung: Neun von zehn nennen fehlende langfristige Mittel, sieben von zehn unsichere projektbezogene Förderstrukturen. Vier beschreiben ihre gegenwärtige Situation als angespannt. Weitere Rückmeldungen verweisen auf finanzielle Unsicherheit bis hin zu einer existenzbedrohenden Lage. Diese Unsicherheit hat Folgen für die Angebote vor Ort. Acht von zehn befragten Organisationen würden gern mehr für Eltern und Familien tun, können entsprechende Vorhaben derzeit aber nicht ausreichend umsetzen. Als Hindernis nennen diese acht Organisationen fehlende Fördermöglichkeiten. Genannt werden unter anderem mehrsprachige Bildungsberatung, Angebote für Kinder und Jugendliche, Elterncafés und Formate, die Eltern über das Bildungssystem informieren und ihre Beteiligung stärken.
Es fehlen also nicht die Themen, die Erfahrung oder die Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen. Es fehlen Mittel, mit denen Organisationen Personal beschäftigen, Angebote weiterentwickeln und langfristig planen können. Wo Finanzierung nur für kurze Projektlaufzeiten gesichert ist, wird es schwer, bewährte Arbeit fortzuführen und auf neue Bedarfe zu reagieren. Migrantenorganisationen brauchen mehr denn je eine verlässliche, langfristige und zugängliche Förderung. Dazu gehören auch Mittel für die dauerhaften Aufgaben einer Organisation: Koordination, Personalentwicklung, Vernetzung und Interessenvertretung. Diese Arbeit ist die Grundlage dafür, dass Angebote für Eltern und Familien überhaupt entstehen und bestehen bleiben können.

Was wir als bbt daraus mitnehmen
Unsere Mitglieder wünschen sich vom bbt vor allem starke politische Interessenvertretung, fachliche Informationen, Austausch und gemeinsame Entwicklungsmöglichkeiten. Acht von zehn befragten Organisationen nennen die politische Interessenvertretung auf Bundesebene als eine Aktivität, von der sie besonders profitieren. Sieben von zehn nennen Fachinformationen zu Bildung und Familie.
Wir nehmen diese Rückmeldungen als Auftrag. Wir wollen die Expertise unserer Mitgliedsorganisationen noch stärker sichtbar machen und in politische Gespräche, Stellungnahmen und fachliche Debatten einbringen. Wir wollen den Austausch im Netzwerk fördern und gemeinsame Vorhaben unterstützen.
Vor allem werden wir uns dafür einsetzen, dass die Arbeit von Migrantenorganisationen dauerhaft finanziert werden kann. Wer Elternbeteiligung, Bildungsgerechtigkeit, Antidiskriminierung und demokratische Teilhabe stärken will, muss auch die Organisationen stärken, die diese Arbeit jeden Tag leisten.


 
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